Listinus Toplisten

Schnellboot-Kriegsabzeichen 1.Form

von Michael Lobbe
 
Mit Stiftung vom 30.Mai 1941 schuff der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Grossadmiral Dr.h.c.Reader das Schnellboot-Kriegsabzeichen für die aktiven Besatzungen "einschliesslich der gefallenden oder verstorbenen und sonstigen Berechtigten."
 
Die Verleihungsvorausetzungen waren:
 
I. Allgemeine Bedingungen:
  - Würdigkeit und gute Führung
 
II. Besondere Bedingungen:
  - Bewährung auf mindesten zwölf Feindfahrten
  - von dieser Bedingung kann abgewichen werden:
   a) wenn einzelne Feindfahrten besonders erfolgreich waren, oder der einzelne
       Soldat sich hierbei besonders ausgezeichnet oder gefallen ist,
   b) beim Verlust eines Boots durch Feindeinwirkung und in besonderen Fällen
       bei Verwundung
 
Da die Kriegsmarine bei Ausbruch des Krieges bereits zehn Schnellboote besaß und die Anzahl der Boot ständig wuchs, mussten die Schnellbootfahrer nach erfolgreichen Unternehmungen ebenfalls mit einem Waffenabzeichen ausgezeichnet werden. Hierzu stand zu Beginn nur das Zerstörer-Kriegsabzeichen zur Verfügung. In den Verleihungsbedingungen des Zerstörer-Kriegsabzeichens ist die Verleihung an Schnellbootbesatzungen ausdrücklich vorgesehen (Absatz 3, nocheinmal besonders betont im Erlass des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine vom 12.August 1940). Aus dieser Zeit stammen die sehr seltenen Schmuckurkunden in DIN A5 mit Eichenlaubumrandung und dem im Kopf abgebildeten Zerstörer-Kriegsabzeichen (!) für Angehörige der Schnellboot-Flottillen.
Für eben diese Schnellbootfahrer, die früher bereits mit dem Zerstörer-Kriegsabzeichen ausgezeichnet wurden, bestand die Möglichkeit, bei Erfüllung der oben genannten Verleihungsbedingungen das Zerstörer-Kriegsabzeichen gegen das neue Schnellboot-Kriegsabzeichen umzutauschen. Der Umtausch galt mit dem Datum 30. April 1943 als beendet. Soldaten, die bereits das Zerstörer-Kriegsabzeichen erhalten haben bevor die zur Schnellbootwaffe traten, konnte beide Auszeichnungen zugleich tragen.

Der Modelwechsel wurde Ende 1942 durch Vorschläge von der Front durch die Schnellbootfahrer selber initiiert, da das Abzeichen durch die Stauchung des Bootes in den Eichenlaubkranz allgemein als "wenig gelungen" angesehen wurde. Die Einführung des zweiten Modells ergab sich nach der Veröffentlichung der Änderung im Marineverordnungsblatt Nr.43 am 15.Februar 1943 nachdem im Januar die Genehmigung durch den Oberbefehlshaber der Kriegsmarine erteilt worden war.
 
Zu unterscheiden sind beide Herstellungsmuster zu allererst an der Länge des S-Bootes. Bei der 2.Form ragt der Bug des Bootes links über den vergoldeten Eichenlaubkranz hinaus, die Wogen der stilisierten See auf der rechten Seite ebenfalls. Beide Merkmale sind beim ersten Fertigungsmuster nicht vorhanden. Zudem ist bei der sogenannten 1.Form das Hoheitsabzeichen kleiner als(25:14mm zu 34:20 mm) bei der 2.Form des Abzeichens. Auch gibt es Farbunterschiede: das Boot ist beim ersten Abzeichen silberweiss, beim zweiten Muster silber patiniert. Das Wasser war bei den frühen Abzeichen altsilberfarbend, bei der späteren Form silbergrau getönt. Auf dem hier gezeigten Stück ist die noch hervorragend erhaltene Vergoldung des Eichenlaubgebindes und des Hoheitsabzeichens sowie die silberweisse Farbe des Boots gut erkennbar.

Das Abzeichen wird mittels einer rückseitig querliegenden Nadel auf der linken Brustseite der Uniform getragen. Im unteren Bereich der Rückseite ist der Hersteller in erhabenen Buchstaben gepresst. Entworfen wurde das Abzeichen mit Unterstützung von Korvettenkapitän Petersen vom Berliner Graphiker Wilhelm Ernst Peekhaus. Die ersten Stücke wurden von der Firma C.Schwerin und Sohn in Berlin gefertigt. Die 2.Form wurde auch durch die Firma Robert Souval (R.S.) hergestellt.

Die hier abgebildeten Offiziere der 3.S-Bootflottille, der sogenannten"Afrika-Flottille", tragen das Schnellbotkriegsabzeichen in der 1.Form. Die Aufahme entstand im Mai 1943 in Agrigento, Sizilien - v.l.n.r.:
Oblt.z.S. Günter Erdmann, Kmdt. "S-57",
Oblt.z.S. Albert Müller, Kmdt."S-59" als solcher RK am 13.12.1943,
Kaptl.(Ing.) Martin Döpner, Flottilleningenieur,
Oblt.z.S.d.R. Horst Weber, Kmdt. "S-55" als solcher RK am 05.07.1943,
Oblt.z.S. Axel von Gernet, Kmdt. "S-61"
 
 Literatur:
Deutsche Auszeichnungen 2. Band, Deutsches Reich 1871-1945, Dr.K.-G. Klietmann, Verlag „Die Orden-Sammlung“ Berlin 1971, 1. Auflage, Seite 191 ff