Listinus Toplisten

Das Kriegsverdienstkreuz mit Schwertern, Urkundenvarianten

von Michael Lobbe

Im Laufe des ersten Weltkrieges entstand das Problem einer notwendigen differenzierteren Auszeichnung von verschiedenen Taten und Verdiensten.

Hierzu stand vornehmlich, neben den bundesstaatlichen Auszeichnungen, das Eiserne Kreuz mit den Bandvarianten schwarz-weiß und weiß-schwarz zur Verfügung.

Um die anstehenden Verdienste des neuen Krieges differenzierter würdigen zu können, wurde am 18. Oktober 1939 das “Kriegsverdienstkreuz“ gestiftet: „als Zeichen der Anerkennung für Verdienste in dem [...] Krieg, die keine Würdigung durch das Eiserne Kreuz finden können“.

So wurde der Status des Eisernen Kreuzes als besondere Auszeichnung für soldatische Tapferkeitstaten bewahrt und ein Ehrenzeichen geschaffen, welches ermöglichte, auch „Verdienste um die militärische Kriegsführung“ und „allgemeine Verdienste bei der Durchführung kriegswichter Aufgaben“ zu würdigen
.

Eine schöne Tragevarianten: an der großen Ordensschnalle

Die verliehende Auszeichnung 2.Klasse in der Tüte und die getragenen Auszeichnung, die einzelne Feldspange mit aufgelegten Schwertern

KVK 1.Klasse im Etui

Das Kriegsverdienstkreuz lehnt sich in seiner Stufeneinteilung an das Eisernen Kreuz an: die zweite Klasse war am Bande zu tragen, die erste Klasse als Steckkreuz. Die Stiftungsverordnung sah eine Vergabe in zwei Abteilungen vor: mit Schwerter und ohne Schwerter. Nach der Verordnung vom 28.September 1941 schließt eine Verleihung des KVK mit Schwertern eine Verleihung des KVK ohne Schwerter aus.

Zudem wurden im Laufe des Krieges das „Ritterkreuz des Kriegsverdienstkreuz“ und die „Kriegsverdienstmedaille“ (beide mit Verordnung vom 19. August 1940) sowie das „Goldenen Ritterkreuz des Kriegsverdienstkreuzes“ (mit Verordnung vom 08. Juli 1944) geschaffen.

Ich möchte mein Augenmerk hier ausschließlich auf Verleihungen des Kriegsverdienstkreuzes mit Schwertern richten und einen Querschnitt verschiedener Urkundenformen und Verleihungen zeigen. Die abgebildeten Urkunden zeigen nur einen Bruchteil der vorkommenden Varianten. Ich habe versucht, die typischten Urkunden der drei Wehrmachtsbereiche einmal darzustellen. Es sei aber Ausdrücklich darauf hingewiesen, daß bedeutend mehr Druckformen und Urkundengrößen vorkommen.

Grundsätzlich sei erwähnt, daß das Kriegsverdienstkreuz mit Schwertern allgemein an Personen verliehen werden sollte, die sich insbesondere in der Kriegsführung auf militärischen Gebiet Verdienste erworben hatten.  „Hierzu kamen von Fall zu Fall Sonderbedingungen wie z.B. unter feindlicher Waffenwirkung (Bomben), bei Bekämpfung der Wiederstandsbewegungen, im Einsatz bei Luftangriffen und dgl.

Im übrigen erhielten Uniformträger fast stets das KVK mit Schwertern.“ (Zitat aus: Klietmann, Deutsche Auszeichnungen Band 2, Berlin 1971)

Die folgenden drei Dokumente zeigen eine typische Verleihung eines KVK 1.Klasse mit Schwertern für „besondere Verdienste in der militärischen Kriegsführung“. Sehen Sie hierzu den abgebildeten Auszug aus der Verleihungsverfügung vom 17. Dezember 1941 an den Generalmajor Heinz Funke. Dazu handelt es sich hierbei um eine Verleihung der Luftwaffe, was durch eine besonderes Urkundenformular dokumentiert wird: verliehen durch den „Reichsminister der Luftfahrt und den Oberbefehlshaber der Luftwaffe“. Interessant ist zudem, daß alle Kommandeure der Luftkriegsschulen (L.K.S.) und der Kommandeur der Uffz.Schulen am gleichen Tag mit dem Kriegsverdienstkreuz ausgezeichnet wurden.

Verleihungsurkunde des KVK 1.Klasse mit Schwertern an den Generalmajor Heinz Funke als Kommandeur der Luftkriegsschule 2 in Berlin-Gatow

Auszug aus der Verleihungsverfügung zur Verleihung von KVK 1.Klasse mit Schwertern an die Kommandeure der Luftkriegsschulen

Das Übersendungdschreiben an Generalmajor Funke

Die nächsten Urkunden zeigen ein frühes Standartformular DIN A5 ohne abgebildetes Abzeichen und eine spätere Urkundenform in gleicher Größe mit Abbildung des Ordens im Urkundenkopf. Hier sei besonders auf die unterschiedlichen Texte der Urkunden hingewiesen (...und Oberster Befehlshaber der Wehrmacht...), ein Passus, der ab Ende 1943 wegfiel, wie an der Urkunde des Eisenbahnpionierregiments (Verleihung 1944) deutlich zu erkennen.

Urkunde zum KVK 2.Klasse mit Schwertern für einen Gefreiten aus dem Eisenbahnpionierregiment 6, OU Generalleutnant Will, General der Eisenbahntruppen

Urkunde zum KVK 2.Klasse mit Schwertern für einen Stabswachtmeister vom Armee Pferdelazarett 583 , OU GFM von Kluge

Eine weitere interessante Frage stellt sich dem Betrachter dieser Urkunde.

Warum erhält ein Stabswachtmeister aus einem Armee Pferdelazarett (!) ein KVK mit Schwertern, und warum unterschreibt ein Generalfeldmarschall eine Urkunde eines Soldaten aus einem Pferdelazarett?

Zum einen sei auf die oben zitierte Bemerkung Dr.Klietmanns hingewiesen. Hier handelt es sich immerhin um einen Stabswachtmeister (und Uniformträger). Zum anderen muß man wissen, dass es sich bei diesem Stabswachtmeister um den persönlichen (!) Pferdepfleger des Generalfeldmarschall von Kluge handelt. Die Auslegungsmöglichkeiten der Verleihungsbedingungen lassen sicherlich die Interpretation zu, dass die Pflege des persönlichen Reitpferdes eines Generalfeldmarschalls und damit die Erhaltung seiner Mobilität als Verdienst um die militärische Kriegsführung angesehen werden kann. Zudem, wie sähe es denn aus, ein Stabswachtmeister mit einer Auszeichnung ohne Schwerter?

Das die Verleihungen der Kriegsverdienstkreuze nicht an einzelne Taperkeitstaten geknüpft waren, sieht man auch aus den Verleihungsdaten auf den Urkunden. Da zur Bewährung, zur Eringung allgemeiner Verdienste immer ein gewisser Zeitabschnitt erforderlich war, konnte man die Verleihung auf bestimmte Tage legen.

Durch Hitler persönlich waren die Verleihungsdaten 30. Januar, 1. Mai und 1. September bestimmt worden. Man findet aber auch häufig Urkunden, die an besonderen Tagen wie dem 20 April eines jeweiligen Jahres verliehen worden sind. Im folgenden dazu zwei Urkunden. Eine spätes Formblatt mit abgebildetem Abzeichen für einen Feldwebel im Lw.Jg.Rgt.46 und ein besonderes Formblatt für einen Unteroffizier im SS-Pol.-Artillerie-Regt.

Urkunde zum KVK 1.Klasse mit Schwertern für einen Feldwebel im Luftwaffenjagdregiment 46 verliehen am 20. April 1944

seltene Urkunde zum KVK 2.Klasse zum Schwertern für einen Unteroffizier im SS-Polizei-Artillerie-Regiment verliehen am 20.April 1942

Etwas besonderes war immer eine Verleihung von Kriegsauszeichnungen an Frauen.

In diesem Fall handelt es sich um die Verleihung eines Kriegsverdienstkreuzes 2.Klasse an eine Frau die zum Selbstschutz des Großen Hafen in Hamburg gehörte.

Bekannt sind Verleihungen mit Schwertern besonders bei im Luftschutz tätigen Frauen und bei Krankenschwestern die in vorgeschobenen Lazaretten eingesetzt waren, wie etwa in Russland oder Afrika. Sie sind allerdings selten. Die hier verwendete Urkunde hätte nach der Änderung des Urkundentext 1943 (nur noch: Im Namen des F...) eigentlich nicht mehr verwendet werden dürfen. So bleibt zu vermuten, daß damals ebenfalls alte Vordrucke aufgebracht wurden.

Urkunde zum KVK 2.Klasse mit Schwertern an eine Frau aus Hamburg von 1944

Bei den beiden abschließend folgenden Urkunden handelt es sich um zwei nach dem Drucktyp und nach der verleihenden Person unterschiedlichen Urkunden der Kriegsmarine. Die erste Urkunde zum KVK 1.Klasse an einen Marinebeamten ist noch von Großadmiral Reader verliehen. Dieser wurde zu Beginn des Jahres 1943 entlassen. Hier erhält ein Marineintendanturrat (ein Beamter, aber im Range eines Oberstleutnants und in Uniform) ein Kriegsverdienstkreuz mit Schwertern. Ab dem 31. Januar 1943 übernahm Grossadmiral Dönitz den Oberbefehl über die Kriegsmarine. Ab diesem Datum werden Kriegsverdienstkreuze mit dem hier abgebildeten entsprechenden Urkundenformular verliehen, eine Weiternutzung alter Bestände scheint nur schwer vorstellbar.

Urkunde zum KVK 1.Klasse mit Schwertern an einen Marineintendanturrat, Verleihungszeitraum Raeder (bis 30.01.1943)