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Das Ärmelband "Kurland"

von Michael Lobbe

Als letztes Auszeichnung der Wehrmacht wurde noch im März 1945 das Ärmelband "Kurland" gestiftet. Die genauen Umstände der Stiftung und der Verleihungen konnten aufgrund fehlender amtlicher Texte nie exakt festgestellt werden. Viele Informationen über die Verleihungspraxis des Ärmelbandes entstammen schriftlichen Berichten der beteiligten Personen. Interessierten sei an dieser Stelle zur Vertiefung des Themas die im Anhang aufgeführte Literatur empfohlen.

Im Rahmen der russischen Sommeroffensive 1944 im Mittelabschnitt der Ostfront wurde Ende Juni 1944 auch der rechte Flügel der Heeresgruppe Nord angegriffen und zurückgedrängt. In der Folge gelang es den sowjetischen Kräften die Heeresgruppe im baltischen Raum einzuschliessen. Zu Beginn der Einschliessung im Oktober 1944 standen der Heeresgruppe Nord die 16. Armee, die 18. Armee, das III. SS-PanzerKorps und die Armee - Abteilung Grasser mit insgesammt 36 Divisionen und zwei Brigaden, ca. 572 000 Mann, zur Verfügung. Im Januar 1945 wurde die Heeresgrupe Nord in Heeresgruppe Kurland umbenannt. Die eingeschlossenen Kräfte kapitulierten erst im Zuge der allgemeinen Kapitulation am 08.Mai 1945.

Die Ausgabe des Ärmelbandes "Kurland" begannen Ende April 1945 und wurden teilweise bis nach Kriegsende fortgesetzt. Es sollte aufgrund der geringen Anzahl an vorhandenen Bändern zunächst nur an die kämpfende Truppe ausgegeben werden. Nach den bislang bekannten Verleihungsbedingungen sollten alle Soldaten, die länger als drei Monate in Kurland waren, die mindestens drei Kurland-Schlachten mitgefochten oder sich dabei eine Verwundung zugezogen hatten das Ärmelband erhalten. Es ist auch bekannt, das verwundete Soldaten die noch abtransportiert wurden, kleine Kontingente der Bänder für bereits heimtransportierte Verwundete mit aus dem Kessel genommen haben.

Das Ärmelband "Kurland" als Kampfabzeichen des Heeres wurde mit einer Eintragung ins Soldbuch und der Übergabe einer Verleihungurkunde verliehen. Es erfolgten auch Übergaben von Urkunden ohne die Vergabe von Bändern. Hier die Urkunde eines Unteroffiziers im Stab I./Gren.Rgt.427 verliehen am 20.April 1945.

Das Ärmelband selber, musste aufgrund der Einschliessung im Kessel selbst gefertigt werden. Auch war kaum Material zur Herstellung vorhanden, so dass ein Grossteil über eine Spinnstoffsammlung bei den Soldaten zusammengetragen wurde. Die Fertigung des Bandes erfolgte in einer Weberei in Goldingen.

Dort wurden die Bänder mit einem mechanisierten Handwebstuhl gefertigt, dessen Kapazität der Anzahl der erfolderlichen Bänder natürlich nicht erreichte. Es ist nicht eindeutig zu klären wieviele Bänder tatsächlich zu Verleihung gekommen sind, allerdings dürfte die Stückzahl nicht allzu hoch gewesen sein. Die Konfektionierung, das Säumen und Abnähen der Bänder, wurde in Heimarbeit von Frauen aus Goldingen vorgenommen.

Das Ärmelband ist ca. 3,8 cm breit und unterschiedlich lang. Es zeigt die ca. 1,8 cm große Inschrift KURLAND in Großbuchstaben eingerahmt von zwei Wappenschilden. Links ein schlankes, spitz zulaufendes frühgotisches Wappenschild mit dem Wappenkreuz des Hochmeisters des Deutschen Ritterordens, ähnlich des Baltenkreuzes. Rechts ein spätgotisches Wappenschild mit einem Elchkopf, dem Wappen der kurländischen Hauptstadt Mitau. An den Rändern ist das Ärmelband gesäumt von einem doppelten Kettstich mit schwarzen Punkten in gleichen Abständen zwischen den beiden Rändstreifen. Die dunklen Partien, die auf der Rückseite als einzelne Fadenstränge zu erkennen sind, haben eine hellblaugraue Farbe.

Durch die behelfsmässige Herstellung des Ärmelbandes lassen sich heute originale Bänder gut von neuzeitlichen Kopien unterscheiden. Man erkennt bei den Kopien zum einen eindeutig industrielle Herstllungsverfahren; zum anderen wird nie die typische hellblaugraue Färbung des dunkelen Garns, und der Ton des ungebleichten Nesselstoffes des Ärmelbandes erreicht.

Das Ärmeband "Kurland" als Kampfabzeichen des Heeres kann heute in der Form nach dem Ordensgesetzt von 1957 getragen werden. Hier als Beispiel die Abbildung des Nachlasses eines Kurlandkämpfers. Bis auf die Sudetenmedaille handelt es sich um Stücke nach dem Ordensgesetzt von 1957

Literatur:

-Deutsche Auszeichnungen 2. Band, Deutsches Reich 1871-1945, Dr.K.-G. Klietmann, Verlag „Die Orden-Sammlung“ Berlin 1971, 1. Auflage

-Ordenskunde Heft Nr. 15, Beiträge zur Geschichte der Auszeichungen, Ärmelband „Kurland“, von Dr. K.-G.Klietmann, Verlag „Die Ordens-Sammlung“ Berlin 1960

-Auszeichnungen des Deutschen Reiches 1936-1945, Dr.K-G.Klietmann, Motobuchverlag Stuttgart 1999, 9. Auflage

-Todeskessel Kurland, Kampf und Untergang des Heeresgruppe Nord 1944/1945, Franz Kurowski, Podzun-Pallas Verlag 2000

-Kurland 1944/1945, Die vergessene Heeresgruppe, Werner Haupt, Pudzun-Pallas Verlag 1979