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Das Kraftfahrbewährungsabzeichen und Urkundenvarianten

von Michael Lobbe

Durch die besonderen Umstände eines wie niemals zuvor von der Motorisierung der Truppen bestimmten Krieges erscheint die Schaffung einer damit im unmittelbarem Zusammenhang stehenden, besonderen Auszeichnung nicht verwunderlich. Durch die bis dahin unbekannte Beanspruchung von Kraftfahrpersonal und  -material, gerade im russischen Winter 1942/1942, beschloss man bewährte Kraftfahrer besonders auszuzeichnen.

So wurde durch eine Verordnung Hitlers am 23. Oktober 1942 eine neue Auszeichnung geschaffen, die „als Anerkennung für den Kriegseinsatz besonders bewährter Kraftfahrer“ verliehen wurde. Die Stiftung wurde wie folgt einzeln veröffentlicht: November 1942 beim Heer, Dezember 1942 bei Luftwaffe und Marine und Feldpost, März 1943 beim Reichsarbeitsdienst und August 1943 bei der Waffen-SS.

Zu beachten ist hierbei, dass es sich um ein Bewährungsabzeichen handelt, welches eine Erfüllungsleistung unter Einsatzbedingungen, d.h. nicht in Heimat oder rückwärtigen Gebiet erfordert.

So wurden in den Durchführungsbestimmungen eindeutig die Gebiete festeglegt, in denen „unter besonders schwierigen Bedingungen“ eine Bewährung erkennbar sein mußte.

Ursprüglich festgelegt wurden Bereiche des Balkans, Gebiete ostwärts der russischen Grenze von 1940, Norwegen nördlich des Polarkreises, Greichenland, Finnland, Lappland und Afrika. Im Laufe des Krieges wurden die Gebiete erweitert auf Sizilien, Sardinen, Korsika und das südliche Italien.

Durch die raschen Frontverschiebungen sollte laut Verfügung des OKW ab dem 01. Juni 1944 der Einsatz in „durch den Heeresgruppen-Befehl festgelegten rückwärtigen Armeegebieten und rückwärtigen Armeezonen an allen Fronten angerechnet werden können“.

Kraftfahr-Einsätze, berücksichtigt ab dem 01. Dezember 1940, wurden zur Erreichung der notwendigen Einsatztage herangezogen, und zwar als Kradmelder 90 Tage, als Fahrer von Gefechtsfahrzeugen 120 Tage, als Fahrer von Kfz´s der Trosse I und II, Kolonen und Stäbe 150 Tage, als Fahrer von Kfz´s der Versorgungstruppen 165 Tage und als Fahrer bei sonstigen Einheiten und Dienststellen der WH 185 Tage. Die Einsatztage wurden besonders definiert, wobei sich keine genaue Definition in der gängigen Literatur feststellen läßt. Anzunehmen bleibt, dass für eine Verleihung des Abzeichens den typischen Voraussetzungen des Kraftfahrdienstes entsprechend, ähnliche anrechenbare Einsatztage beschrieben werden, wie z.B. für Kampfabzeichen des Heeres.

Das Abzeichen wurde ausschließlich an Kraftfahrer der Wehrmacht und dieser unterstellten Nichtwehrmachtsangehörige (auch ausländische Freiwillige) verliehen, nicht an Soldaten verbündeter oder befreundeter Staaten. Eine posthume Verleihung des Kraftfahrbewährungsabzeichens war nicht gestattet. Es war auf der Mitte des linken Unterärmels zu tragen, ca. 2 cm über dem jeweiligen Tätigkeitsabzeichen wie z.B. das gotische „S“ für Heeresschirmeister oder das Luftwaffenabzeichen „Kraftfahrpersonal“.

Erwähnenswert ist auch, dass die Stufen des Abzeichens in Bronze, Silber und Gold nicht wie z.B. beim Verwundetenabzeichen oder der Nahkampfspange in gestaffelter Stufung verliehen wurden, sondern, dass zur Erreichung der nächsten Stufe immer eine vollständige Wiederholung der ursprünglichen Bewährungsdauer notwendig war. Für die Verleihung der Silberstufe mußten die Bedingungen für das Kraftfahrbewährungsabzeichen in Bronze zweimal erfüllt werden, für die Goldstufe dreimal(!).

Im folgenden sind zum einen die Abzeichen selbst und in Tragung, als auch eine Variation von Verleihungsurkunden abgebildet, bei deren Einheiten man die verschiedenen Verwendungen von Kraftfahrern  im Heer erkennen kann. So z.B. als Fahrer von Gefechtsfahrzeugen (II.Pz.Rgt.23), als Fahrer bei Kolonen (Kfz.Ersatzteilstaffel) oder als Fahrer bei sonstigen Einheiten (2.Pz.NA16). Sehr schön lassen sich auch die Variationen der Druckmuster erkennen, vom normalen Standartformblatt über Querformate, hektografierter Form oder handgeschriebene Schuckausführung.

Oberst einer Nachrichtenabteilung mit seinem Fahrer

Druckvariante des Gen.Kdo.XIII

Verleihungsurkunde in Standartform

Handgeschriebene Schmuckurkunde

Vordruck der Wehrkreisdruckerei X Hamburg im Querformat