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Wolchow Stock der 13 Lw.-Felddivision von 1943

von Uwe Bargmann

Der hier gezeigte Stock ist reich verziert mit dem Adler der Luftwaffe, dem Wappen mit der greifenden Adlerkralle und einem Eisernen Kreuz 1939.

Die Anfangsbuchstaben des ehemaligen Besitzern wurde auch mit eingeschnitzt.

Er ist ca. 95 cm lang und hat am Ende eine Hülse aus Leuchtmunition

Bei dem Wappen handelt es sich, so wie ich in Erfahrung bringen konnte, um das der 13 Lw.-Felddivision, die zu dieser Zeit in diesen Raum eingesetzt war.

Es ist ein Stock, wie er von Soldaten hergestellt wurde, die bei der Wolchow Front (Rußland) eingesetzt waren, sie waren bei den erbitterten Kämpfen um Leningrad dabei.

Die Stöcke wurden aus einen Holz hergestellt,das dort vor Ort in den Sumpfen wuchs. Es ist ein Holz, das man gut bearbeiten konnte und beim trocknen wurde es sehr hart.

Solche Stöcke tauchen auf dem Sammlermarkt gelegentlich mal wieder auf, schöne und reich verzierte Stöcke in guten Zustand sind aber selten geworden.

Weitere geschichtliche Informationen:

Nach dem Überfall auf die Sowjetunion am 22. 6. 1941 konnten die deutschen Truppen bis Mitte Juli Litauen, Westbelorußland, die Westukraine u. die Moldau besetzen.

Die Rote Armee mußte sich unter schweren Verteidigungskämpfen in das Landesinnere zurückziehen.

Ein von der deutschen Führung nicht erwarteter Widerstand, der wiederholt von heftigen Gegenstößen begleitet war, führte zur Verlangsamung des deutschen Angriffstempos und vereitelte das strategische Hauptziel des OKW, die Masse der sowjetischen Streitkräfte im westlichen Grenzgebiet zu vernichten.

Im NW erreichte die Heeresgruppe Nord Anfang September Leningrad, das seit Mitte des Monats durch das gleichzeitige Vordringen finnischer Kräfte bis zum Swir und Onegasee blockiert war.

So beginnend, wurde die Stadt Leningrad fast 900 Tage lang von deutschen Truppen unter Generalfeldmarschall Wilhelm Ritter von Leeb belagert. In der Zeit der Leningrader Blockade vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944, in der die Wehrmacht auf Befehl Hitlers keine Eroberung Leningrads versuchte, sondern stattdessen die Stadt systematisch von jeglicher Versorgung abschnitt, starben über eine Million Zivilisten.

Nahrungsmittel zur Versorgung der Millionenstadt konnten nur unter großen Gefahren per Flugzeug oder im Winter über den vereisten Ladogasee per Bahn und LKW nach Leningrad gebracht werden. Die Route über den See lag im Schussfeld der Wehrmacht (von Wolchow aus), im Schnitt kam von drei gestarteten LKW einer in Leningrad an. Besonders dramatisch war die Situation im Jahr 1941. Durch Luftangriffe wurde ein Großteil der Nahrungsmittelvorräte vernichtet, zudem brach der Winter ungewöhnlich früh ein.

Die Stadt Leningrad wurde auf dem Reißbrett geplant und in den Sümpfen der Newa-Mündung innerhalb kürzester Zeit aus dem Boden gestampft. Die Gegend war eigentlich denkbar ungeeignet für eine Stadtgründung. Das Newa-Delta wurde häufig von Überschwemmungen heimgesucht, die Gegend war nicht einmal für die Landwirtschaft geeignet.

Der Wolchow nun, ist ein Fluss in Nordwestrussland von 224 Kilometern. Er ist Teil des Wishne-Wolotschokschen Kanalsystems, das die Newa mit der Wolga verbindet.

Die Stadt Wolchow liegt südlich des Ladogasees am Ufer des Flusses Wolchow und befindet sich 122 km östlich von Leningrad.

Der gesamte Bereich um Wolchow war also im Grunde nichts anderes, als ein Bereitstellungsraum der Heeresgruppe Nord während der 900 tägigen Belagerung von Leningrad (heute: Sankt Petersburg) bzw. Ausgangspunkt für den Beschuß, wie oben beschrieben.

Man hatte also viel Zeit (900 Tage) zum schnitzen von Erinnerungsstücken, zudem bot das Newa-Delta und die dortigen Sümpfe genügend Holz.

Einige Wolchow-Stöcke haben den Rückmarsch nach Deutschland überstanden, obwohl man eigentlich hätte vermuten können, daß im Januar 44 zahlreiche andere Dinge wichtiger waren, als ein geschnitztes und verziertes Stück Holz.

Nichtsdestoweniger sind Wolchow-Stöcke heute extrem seltem auf dem Sammlermarkt zu finden, selbst die großen Händler haben in der Regel nichts im Angebot.

Es gibt Wolchow-Stöcke in den unterschiedlichsten Qualitäten. Mal ist es nur ein Stock, der einen Namen und ein paar Daten trägt, dann wiederum ist es beinahe ein kleines Kunstwerk, in das viel Zeit und Fleiß investiert wurde.