Listinus Toplisten

Regimentsteller von Meissen

Von Walter Wagner

Vielen Sammlern sind heute die Regiments- und Erinnerungsteller der ältesten Porzellan-Manufaktur in Europa, die ehemals „Königliche“ und später „Staatliche“ Manufaktur in Meißen bekannt. In dem folgenden Beitrag soll daher versucht werden, ein wenig Hintergrund in diesen Bereich zu bringen.

Zu Beginn des 20.ten Jahrhunderts waren so genannte „Wandteller“ ein aufstrebender Trend, eine sich ausbreitende Mode. Der Ursprung liegt hierbei sicherlich in den Erinnerungstellern zu Weihnachten und Ostern, die in der zweiten Hälfte des 19.ten Jahrhunderts erstmalig von der Kopenhagener Manufakrut Bing und Grondahl in Serie aufgelegt wurden. Diese Mode verbreitete sich dann sehr schnell über ganz Europa und hat einen bis zum heutigen Tage ungebrochenen Trend ausgelöst.

Die deutsche Manufaktur in Meißen hatte bereits im Jahre 1873 einen ersten patriotischen Teller hergestellt. Es handelt sich hierbei um einen Erinnerungsteller anlässlich des Todes des damaligen Königs Johann von Sachsen gewidmet. Der Teller hielt die Lebens- und Regierungsdaten von König Johann fest. Ein zweiter Teller aus der Serie der oft so genannten „Königsteller“ wurde dann im Jahre 1898 aufgelegt. Dieser Teller würdigte den 70.ten Geburtstag des damaligen Königs Albert von Sachsen und gleichzeitig sein 25.jähriges Thronjubiläum. Zwei weitere Teller komplettierten diese Serie dann zu Beginn des 20.ten Jahrhunderts anlässlich des Regierungsantritts der Könige Georg 1902 und Friedrich August III (der letzte sächsische König) 1904. Alle diese Teller dieser Serie zeigen im Mittelfeld das sächsische Wappen und die jeweiligen Daten des Königs. Diese Teller wurden in großen Stückzahlen gefertigt und tauchen heute immer wieder im Handel (sehr oft auch bei EBAY) auf.

Eie Art dieser Erinnerungsschalen, die später zu einer wirklichen Spezialität der Meißner Manufaktur wurden, waren die so bezeichneten Regimentsteller. Die vorher beschriebenen Teller waren nicht wirklich gut für die Wandaufhängung geeignet, da sie aus tiefen Suppenschalen gefertigt wurden und sich nur durch ihre Bemalung von normalen Suppentellern des Gebrauchs unterschieden. Für die Regimentsteller entwickelte Meißen eine völlig neue Form der Schale, die weniger tief war und zur Wandaufhängung besser geeignet ist.

Die Regimentsteller haben in der Regel einen Durchmesser von 25,5 cm und der tiefste Punkt der Schale liegt genau in der Mitte. Im Vergleich zum äußeren Rand haben diese Teller insgesamt nur eine Tiefe von 1,5 cm. Alle Teller haben im Standring zwei Bohrungen durch die das Drahtgeflecht zur Aufhängung befestigt wurde. Die Aufhängung endet immer unterhalb des Tellerrandes damit bei der Aufhängung des Tellers an der Wand keine Befestigung zu sehen ist.

Der erste Regimentsteller wurde im Jahre 1900 in Auftrag gegeben. Es handelt sich um den Teller des „5. Königlich Sächsichen Infanterie Regiments Kronprinz Nr. 104“. Diesen Namen erhielt das Regiment 1902 und es wurde der Teller in der zweiten Form erstellt nach 1919 (siehe Abbildung)

5. KÖNIGLICH SÄCHSISCHES INFANTERIE REGIMENT KONPRINZ 104

In der Folge erschienen dann eine Vielzahl von Regimentstellern der verschiedenen Einheiten. Einige Beispiele sind als Abbildungen angeführt.

LAUENBURGISCHES JÄGER BATAILLON NR. 9

DRAGONER REGIMENT FREIHERR VON MANTEUFFEL (RHEINISCHES) NR. 5

INFANTERIE REGIMENT 134

FUSSARTILLERIE REGIMENT GENERAL-FELDZEUGMEISTER (BRANDENBURGISCHES) NR. 3

KÖNIGLICH SÄCHSISCHES GRENADIER RESERVE REGIMENT NR. 100

5. KÖNIGLICH SÄCHSISCHES FELDARTILLERIE REGIMENT NR. 64

Diese Teller wurden bis in die zwanziger Jahre des 20.ten Jahrhunderts hinein produziert und aufgelegt. Eine Vielzahl von Tellern ist erst nach dem Ende des ersten Weltkrieges überhaupt
entstanden.

Mit Aufstellung der neuen Reichswehr und dessen Übergang in die Wehrmacht wurde bereits in den zwanziger Jahren durch den Generaloberst Hans von Seeckt ein Traditionsbefehl erlassen. In diesem Befehl heißt es

„Wenn die Heeresleitung mit der Übertragung der Überlieferungen des alten Heeres an Truppenteile des Reichsheeres die Pflege der ruhmreichen Geschichte unserer Waffen anstrebt, so erwarte ich mit Bestimmtheit, dass jeder Soldat der Wehrmacht sich in erster Linie als Mitglied seines neuen Truppenteils fühlt und seine Befriedigung darin sucht, dass dieser es dem alten gleichtut.“

Mit diesem Erlaß wurde geregelt (einschließlich einiger Änderungen in den 30.er Jahren) wie die Traditionspflege im neuen Heere umzusetzen ist. Es entstanden eine Vielzahl von Traditionsverbänden die teilweise bis zum heutigen Tage bestehen. Neue Wehrmachtseinheiten bekamen zum Zeichen der Traditionspflege Traditionsverbände der alten Armee zugeordnet. So erhielt z. B. das ab 1936 aufgestellte Infanterie Regiment 39 als Traditionsverband das alte „Füsilier Regiment 39“ zugeordnet. Hierbei wurde wann immer möglich, auch versucht, den neuen Einheiten die Nummern der alten Traditionseinheiten zu geben.

Beispiele für Teller aus der Zeit der Wehrmacht seien die nachfolgend abgebildeten Teller

ARTILLERIE REGIMENT 4

INFANTERIE REGIMENT 465

Die letzten bekannten Teller sind noch im Jahre 1945 hergestellt worden. Die Stückzahlen der hergestellten Teller schwanken je nach Größe und Traditionsempfinden der einzelnen Einheiten.

Das letzte Bild zeigt eine typische Rückseite eines Regimentstellers von Meißen mit der für ihn typischen Aufhängung.

Meißen hat fast 50 Jahre (von 1900 – 1945) lang für viele deutsche militärische Einheiten Erinnerungsteller gefertigt. Diese Erinnerungsteller waren ausnahmslos Sonderbestellungen die in kleinen Stückzahlen gefertigt wurden. So sind zum Beispiel nur ca. 20 – 25 Teller für das hier auch gezeigte „Lauenburgische Jäger Bataillon Nr. 9“ hergestellt worden, während andere Einheiten bis zu mehreren Hundert dieser Teller haben anfertigen lassen.

Die Teller kommen hauptsächlich uin den Farben GRÜN und BLAU vor. Einige wenige Teller sind auch in BUNT bekannt. Die damaligen Preise bewegten sich z. B.

+ Lauenburgisches Jäger Bataillon Nr. 9 16,-- RM
+ Grenadier Reserve Regiment 100 14,50 RM
+ Königlich Sächsiches Artillerie Regiment Nr. 64 16,-- RM
+ Feldartillerie Regiment Generalfeldzeugmeister 13,-- RM

Zu den einzelnen Regimentstellern hat es spezielle Bestellzettel mit der Abbildung der "Traditionsschale" gegeben. Ob dies für alle Teller galt, konnte bisher noch nicht ermittelt werden. Nachfolgend ist der Bestellzettel für die Traitionsschale des Braunschweigischen Husaren-Regiments Nr. 17 abgebildet.