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Das Heeres - Flakabzeichen

von Michael Lobbe

In Anlehnung an das bereits im Januar 1941 vom Oberbefehlshaber der Luftwaffe gestiftete „Kampfabzeichen der Flakartillerie“ der Luftwaffe genehmigte der Oberfehlshaber der Heeres, Generalfeldmarschall von Brauchitsch, am 18.Juli 1941 die Einführung des Heeres-Flakabzeichens.

Es wurde an alle Soldaten der Heeres-Flakeinheiten (Heeres-Flugabwehr der Infantrie, Fla-Bataillone ab lfd.Nr. 30 als Korpstruppen, Schulterklappenauflage „FL“, und Heeres-Flak-Artillerie-Abteilungen, Schulterklappenauflage „geflügelte Granate“ ) verliehen. Die Fla-Bataillone entstanden aus den MG-Bataillonen des Vorkriegsheeres. Die MG-Bataillone der Nummern 1 – 30 waren reine MG-Bataillone, Einheiten mir höheren Nummern waren mit 2 cm Flugabwehrgeschützen ausgestattet und wurden im Mobilmachungsfall auf die Panzerabwehrkompanien der Divisionen aufgeteilt (siehe unten).

Die Verleihungsbestimmungen orientierten sich am Pendant der Luftwaffe. Das Abzeichen wurde verliehen für fünf Abschüsse durch Geschütze desselben Zuges oder derselben Batterie, an die jeweiligen Zug- bzw. Batterieführer, die Geschützführer und Bedienungsmannschaften, soweit diese an den Abschüssen unmittelbar beteiligt waren. Für Kompanie- oder Batterieführer, soweit keine unmittelbare Abschussbeteiligung vorlag, z.B: durch Übernahme der Feuerleitung, wurde das Abzeichen verliehen, wenn die Hälfte der Bedienungsmannschaften bzw. Gefechtsbatterien das Abzeichen erhalten hatten „und diese Vorgesetzten bei den Kampfhandlungen, die für die Verleihung maßgeben waren, die Einheiten geführt haben“ (Klietmann, Auszeichnungen des Deutschen Reiches, S.117). Kommandeure wurden beliehen, wenn die Hälfte der Kompanie- bzw. Batterieführer das Abzeichen erhalten hatten.

Mit Verfügung vom 04.09.1942 wurde seitens des O.K.H. einer Änderung der Verleihungsbestimmungen vorgenommen. Diese orientierte sich wiederum an der im gleichen Jahr beschlossenen Änderung der Verleihungsbestimmungen für das „Kampfabzeichen der Flakartillerie“ der Luftwaffe. Es wurde ein Punktesystem eingeführt, wonach das Heers-Flak-Abzeichen bei der Erreichung einer Gesamtzahl von 16 Punkten an Einzelpersonen verliehen wurde. Geschützmannschaften erhielten nach diesem System zum Beispiel 4 Punkte für den alleinigen Abschuss eines Feindflugzeuges. Waren mehrere Geschütze beteiligt, so erhielten die Männer der Geschützbedienung für einen Abschuss lediglich 2 Punkte angerechnet.

Bildunterschrift:   Ein Feldwebel der Heeresflugabwehr mit Schulterklappenauflage „FL“ in gotischen Buchstaben, und der Schützenschnur der 1.-4. Stufe, Ausführung 1939

Im Gegensatz zum Flak-Kampfabzeichen der Luftwaffe wurde das Heeres-Flakabzeichen ausschließlich für die erfolgreiche Bekämpfung von Luftzielen verliehen. Bei reinen Erdkampfeinsätzen erhielten die Angehörigen der Heeres-Flak-Verbände das Allgemeine Sturmabzeichen. In den Bestimmungen für die Verleihung des Allgemeinen Sturmabzeichens sind die Angehörigen der Flugabwehr-Kompanien neben z.B. der Artillerie oder den Panzerjägern expizit genannt. Das Heeres-Flakabzeichen wurde auf der linken Brusttasche der Uniform getragen. Bei gleichzeitiger Tragung des Allgemeinen Sturmabzeichens wurden beide Auszeichnungen nebeneinander, das Flakkampfabzeichen dann links getragen.

Der Entwurf für das Abzeichen geht auf den Maler und Grafiker Ernst Wilhelm Peekhaus in Berlin zurück. Es wurde von verschiedenen Firmen produziert, wobei die Firma C.F.Junker aus Berlin bei der Herstellung führend war (ebd.S.117).

Das Heers-Flakabzeichen besteht aus einem Kranz aus insgesamt acht Eichenlaubblättern (vier auf jeder Seite), die jeweils durch eine Eichel getrennt sind. Oben in der Mitte ist das Hoheitsabzeichen in Form eines Heeresadlers angebracht.

Auf dem Boden der Kranzinnenseite steht ein vom Betrachter nach rechts gerichtetes 8,8 cm Flakgeschütz. Das Rohr tritt oben rechts ein wenig über den Eichenlaubkranz hinaus. Originale Heeres-Flakabzeichen haben hervorragend gearbeitete Details und sind im Gegensatz zu den Luftwaffenabzeichen aus einem Stück hergestellt. Im Laufe des Krieges wurde das Abzeichen auch in halbhohler Form hergestellt.

Bildunterschrift:   Heeres-Flakabzeichen ohne Hersteller, der detaillierten Fertigung nach sehr wahrscheinlich ein Stück der Firma Funcke und Brüninghaus L/56

Das hier gezeigte Abzeichen ist ein Zinkstück, bei dem noch grosse Teile der Versilberung erhalten sind. Der Höhenrichtkranz sowie die beiden Stellräder sind äußert fein modelliert. Die Nieten am Geschützsockel sind nicht wie einfache Kopfnieten geprägt, sondern in sehr genauer Detaillarbeit in den Sockel versenkt dargestellt. Das Abzeichen trägt keinen Hersteller, ist aber sehr wahrscheinlich aufrund der detaillierten Fertigung der Firma Funcke und Brüninghaus, L/56, zuzuordnen. Dieses Abzeichen wurde mit dem unten abgebildeten Besitzzeugnis an einen Obergefreiten der 3./Heeres-Flak Art.Abt.313 noch am 25.März 1945 durch den General der Heeres-Flakartillerie verliehen.

Neben dem oben gezeigten Formblatt mit abgebildetem Abzeichen kommen noch verschiedene Urkundenvarianten vor. Unten als Beispiel eine Schmuckurkunde zum Heeres-Flak-Abzeichen an einen Obergefreiten der 1./Fla.Btl.606, verliehen am 10.Mai 1943 durch den General der Infantrie beim Oberbefehlshaber der Heeres.

Mit dem hier gezeigten Besitzzeugnis wurde ein Allgemeines Sturmabzeichen, vergeben für die erfolgreiche Bekämpfung von Erdzielen, an einen Obergefreiten der 3./Heeres Flak Art.Abt.(mot) 288 verliehen.

Verleihungsbefugt war zunächst die „Inspektion der Heeres-Flak-Artillerie“ beim Oberkommando der Heeres. Später dann der General der Infantrie beim Oberbefehlshaber des Heeres für die Heeres-Flak-Truppen (Urkunde 2) und der General der Artillerie beim Oberbefehlshaber des Heeres für die Heeres-Flakartillerie. Ab Februar 1944 wurden alle Verleihungsformalitäten durch den General der Heeres-Flak-Truppen bearbeitet (Urkunde 1), (ebd.S.117). Die Verleihungsbefugnis für die Verleihung des Allgemeinen Sturmabzeichen für die erfolgreiche Bekämpfung von Erdzielen blieb nach wie vor beim zuständigen Kommandeur. Die Heeres-Flak-Artillerie Abteilungen wurden nicht in geschlossenen Verbänden eingesetzt, sondern als Korpstruppen den jeweiligen Verbänden, Divisionen und Regimentern zugeteilt. So wurden die Auszeichnungen durch den jeweiligen taktischen Vorgesetzten vorgenommen (Urkunde 3) (ebd.S.110).

Als kleine Besonderheit möchte ich hier im Zuge der kurzen Besprechung des Heeres-Flakabzeichens noch eine etwas ungewöhnliche Verleihung an einen Angehörigen einer Fla-Kompanie des Heeres beschreiben.

Das Panzer-Grenadier-Regiment 79 der 16.Panzerdivision wurde in Stalingrad vernichtet. Die Neuaufstellung des Verbandes erfolgte im März 1943 in Nordfrankreich.

Dazu wurde auch Personal des Flak-Bataillons 46 verwandt, aus dem die 9./Fla.Pz.Gren.Rgt.79 aufgestellt wurde. Das Flak-Bataillon gehörte vor dem Kriege als MG-Bataillon 46 zum VI. Armeekorps in Münster. Im Mobilmachungsfall wurden die drei Friedenskompanien auf sechs erweitert, und als 4.Kompanie auf die Panzerabwehr-Abteilungen der drei Infantriedivisionen des VI.AK. (6.ID, 16.ID, 26.ID) und XI AK. (1.leichte ID, 16.ID, 36.ID) aufgeteilt.

Nach den bekannten Verleihungsbestimmungen müssten die Angehörigen dieser Einheit eigentlich mit dem Allgemeinen Sturmabzeichen ausgezeichnet werden, soweit ein Einsatz im Erdkampf erfolgte, bzw. mit dem Heeres-Flakabzeichen für einen erfolgreichen Einsatz gegen Luftziele. Die hier abgebildete Urkunde belegt allerdings die Verleihung eines Panzerkampfabzeichens in bronze für einen Angehörigen der Heeres-Flaktruppe. Neben dieser Urkunde sind noch ein Portaitfoto und die Schulterklappenüberschübe „FL 46“ für das Flak-Bataillon 46 erhalten geblieben.