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Die Diensauszeichnungen der Wehrmacht

von Michael Lobbe

Am 16. März 1936 stiftete der "Führer und Reichkanzler" am ersten Jahrestag der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht als "Annerkennung treuer Dienste in der neuen Wehrmacht" die Dienstauszeichnung der Wehrmacht.
 
Die Verleihung der Dienstauszeichnung erfolgte in den folgenden Klassen:
 
4.Klasse (silberfarbene Medaille) für  4 Jahre aktive Dienstzeit
3.Klasse (goldfarbene Medaille)  für 12 Jahre aktive Dienstzeit
2.Klasse (silberfarbendes Kreuz) für 18 Jahre aktive Dienstzeit
1.Klasse (goldfarbendes Kreuz)   für 25 Jahre aktive Dienstzeit
 
Die Ziffern der Anzahl der aktiven Dienstjahre wurden auf der Rückseite der jeweiligen Medaille bzw. auf dem rückseitigen Medaillon der Kreuze in arabischen Zahlen vermerkt.

DA 4.Klasse und DA 3.Klasse des Heeres und der Luftwaffe an verschiedenen grossen Ordensspangen.

Eine Auswahl von üblichen Feldschnallen  DA 4.+3. Klasse.

Die Dienstauszeichnung wurde grundsätzlich an alle drei Teile der Wehrmacht verliehen, "die sich am 16.März 1935 oder später im aktiven Wehrdienst befunden hatten bzw. befanden." Eine Dienstzeit im kaiserlichen Heer, in den anerkannten Freiwilligen-Verbänden nach 1918, sowie der vorläufigen Reichwehr (resp. der Reichsmarine) bis zum 30.September 1921, "wenn Sie dann in die Reichwehr übernommen wurden und ununterbrochen weitergedient gedient hatten. Bei zwischenzeitlich Ausgeschiedenen wurde die Zeit des aktiven Dienstes angerechnet."
 
Die Dienstauszeichnung wurde in 4. Klassen gestiftet. Die ersten Verleihungen erfolgten am 02.Oktober 1936 (siehe dazu die weiter unten abgebildete Urkunde der Heeres für die gemeinsame Verleihung der 4.-1. Klasse). Mit Verordnung vom 10.März 1939 wurde eine Erweiterung der ersten Klasse geschaffen: die 1.Klasse mit Eichenlaub für 40 Jahre aktive Dienstzeit.
 
Mit Ausbruch des Krieges wurden die Verleihungen ausgesetzt, wobei aber noch diejenigen Dienstauszeichnungen vergeben wurden, zu denen bereits laufenden Anträge vorlagen (Beispiel eines Antrages zur DA 4.Klasse der Luftwaffe weiter unten). Diese Verleihungen wurden im Frühjahr 1940 abgeschlossen und bis Kriegsende nicht wieder aufgenommen.
 
Aus der Praxis, nach der Verleihung der höheren Stufe die neidrigere weiterzutragen, ergeben sich folgende trageweisen der Dienstauszeichnung an der Ordensschnalle bzw. der Feldspange:
 
 
DA 4 Jahre, silberne Medaille an Einzelspange, silberner Adler (ist gerne mal abgetragen, so dass er                    bronzefarbend erscheint) auf Einzelfeldschnalle
 
DA 12 Jahre, goldene Medaille, goldener Adler, wurde immer zusammen mit der DA 4 Jahre getragen - also Kombination goldener Adler und silbener Adler auf der Feldschnalle
 
DA 18 Jahre, silbernes Kreuz, silberner Adler, wurde nur mit der DA 4 Jahre getragen - also zwei silberne Adler auf der Feldschnalle
 
DA 25 Jahre, goldenes Kreuz, goldener Adler, wurde nur mit der DA 12 Jahre getragen, also zwei goldene Adler auf der Feldschnalle
 
DA 40 Jahre, goldenes Kreuz mit steilflankigem Eichenlaub auf dem Band unter dem goldenen Adler, wurden nur mit der DA 25 Jahre getagen, DA 40 Jahre sind absolute Ringeltauben!
 
Unten folgen einige Bilder mit Beispielen verschiedener Ordenschnallen, Feldschnallen und Urkunden. Gerade bei den Urkunden sollen die hier abgebildeten nur Beispiele sein und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, da die Druckvarianten überaus vielfältig waren. Von den drei Teilbereichen der Wehrmacht lässt sich nur die Luftwaffe anhand der aufgelegten Bandadler bei den Feldschnallen und Ordensspangen eindeutig erkennen. Bei Heer und Marine wurde kein Unterschied in der Form des Adlers gemacht.

Feldschnallen mit der Kombination DA 2.Klasse und DA 4.Klasse (zwei silberne Adler), DA 1.Klasse und DA 3.Klasse (zwei goldene Adler) und DA 1.Klasse mit Eichenlaub und DA 1.Klasse (zwei goldene Adler + ein Eichenlaub).

Grosse Ordensschnalle eines ursprünglich kaiserlichen Offiziers, der noch bis 1939 im aktiven Militärdienst stand mit der Kombination des Dienstauszeichnungskreuz 2.Klasse und der Dienstauszeichnungsmedaille 4.Klasse.

Eine grosse Ordensschnalle in der Form nach dem Ordensgesetzt von 1957. Die Ordensschnalle wurde vom Träger nach dem Zweiten Weltkrieg eigenhändig aus Originalteilen, ergänzt durch die 57er Stücke, wieder zusammengesetzt; allerdings in der falschen Reihenfolge, da üblicherweise mit dem Eiserne Kreuz auf der linken Seite der Ordensschnalle begonnen wurde.

Verleihungsurkunde zur Dienstauszeichnung 4.-1.Klasse der Heeres aus der ersten Verleihungsserie vom 02.Oktober 1936. Bei Soldaten die bereits auf eine längere aktive Dienstzeit zurückblicken konnten war es absolut üblich, die entsprechende Dienstauszeichnungen in einer Verleihung zu vergeben.

Vorgedrucktes Formblatt für die Dienstauszeichnung 4.Klasse
der Kriegsmarine - hier verliehen an einen U-Bootfahrer der U-Flottille Wegener.

Formular der Luftwaffe - die entsprechende Klasse der Dienstauszeichnung war nicht vorgedruckt. Hier eine Verleihung der DA 4.Klasse an einen Obergefreiten des Kampfgeschwader Hindenburg zusammen mit dem dazugehörigen Antrag
auf die Verleihung der Dienstauszeichnung 4.Klasse.

Generalmajor Mohr (später General der Flieger), Kommandeur des Luftgau X, Hamburg, 1938, mit aussagekräftiger Feldschnalle an der sich auch die Bandadler für die Dienstauszeichnunge der 1.Klasse und 3.Klasse befinden.