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Große Ordenspange eines bayerischen Oberleutnants

Die nun folgende 7er Ordenspange stammt aus dem Nachlaß von Oberleutnant Sachs aus dem oberbayerischen Raum.

Da diese Spange und ihre Beschreibung so umfangreich ist, wird die Vorstellung dieses Stückes in einen Textteil und zudem in vier Bildeile aufgeteilt.

Zunächst wird im unten folgenden Textteil eine allgemeine Beschreibung gegeben. Kleinere Bildelemente unterstützen die Beschreibung und bieten zudem die Möglichkeit, die jeweiligen Bilder der Spange in voller Größe zu betrachten. Hierzu genügt ein Klick auf das entsprechende Kleinbild.


Die Abmessungen:

Die Spange:
Breite: ca. 19 x 7 cm
Gewicht: 157,3 g.

Das Etui:
Breite: ca. 21 x 11 x 3 cm,
Gewicht: 153,3 g.

Das Etui ist ein privat beschafftes Stück, das vermutlich passend zu den Abmessungen der Spange angefertigt wurde. Es ist mit einer roten Samteinlage ausgestattet, sowie mit einer gefütterten, seidenstoffähnlichen Deckelpolsterung. Das Etui selbst ist aus einem Hartkarton, auf das ein Musterpapier aufgebracht wurde. Als Verschluß sind Zierscharniere aus Blech angebracht worden.

Leider ist keine Herstellermarke vorhanden.

Ein Klick auf das rechte Bild, zeigt das Etui aus allen Perspektiven.


Obwohl der Nachlaß aus der Familie des Beliehenen stammt, war leider nichts in Erfahrung zu bringen, weder über den militärischen Werdegang, noch über die zivile Laufbahn zwischen den beiden Weltkriegen.

So blieb leider nichts weiter übrig, als eine Eigenrecherche durchzuführen (mit besonderem Dank an Michael Lobbe für die hilfreiche Unterstützung bei der Rechereche), die zu interessanten Ergebnissen führte.

Hier nun das Ergebnis:

Man kann davon ausgehen, das der Träger dieser Ordensspange ein junger bayrischer Offizier war. Der MilitärverdienstORDEN ist nur an Offiziere verliehen worden und die vierte Klasse mit Schwertern kann ein wenig als bayrisches Pendant zum EK2 angesehen werden. Schaut man in die Reichswehr-Rangliste von 1924 findet man sehr viele junge Offiziere der bayrischen Regimenter die im Jahre 1918 noch Leutnant geworden sind und sowohl das EK2 als auch den MVO 4. mit Schwertern (BM4.X) besitzen.

Die
Erinnerungsmünze bekam er, weil er bei einem Regiment diente, dessen Inhaber die bayrische König war. Soweit zu den Auszeichnungen 14/18.

Angenommen, der Träger war bei Kriegsende gerade zwanzig oder Anfang zwanzig. Auch wenn er bereits älter gewesen wäre, d.h. vielleicht schon 1914 Leutnant, muß er nicht zwangsläufig befördert worden sein. Mit Beförderungen tat man sich damals durchweg schwer, siehe zum Beispiel den bekannten Ernst Jünger: 1914 Leutnant, 1918 immer noch Leutnant, aber mit einem Pour le Merite! Wenn man nicht von Stande war, hatte man es bedeutend schwerer. Und eine Beförderung zum Oberleutnant gab es auch erst nach wenigstens fünf Jahre - und der Krieg dauerte nunmal nur vier.

Somit ist es durchaus denkbar, das der Träger erst wieder mit Kriegsausbruch 1939 Soldat geworden ist. Er kann natürlich auch ohne beim Militär gewesen zu sein die beiden Blumenfeldzugsmedaillen bekommen haben. Eventuell war er bei den Finanzbehörden, bei der Post, Polizei - viele junge Offiziere gingen in den zwanziger Jahren in den Staatsdienst.

Hier vermute ich aber doch, das der bayrische Offizier irgendwann in den dreißiger Jahren zurück zum Militär gegangen ist. Hier wurde er wahrscheinlich direkt als Oberleutnant eingestellt. Und als ehemaliger Frontkämpfer hat er sich natürlich auch das Ehrenkreuz des Weltkrieges besorgt.

Die ebenfalls an der Spange befindliche Dienstauszeichnung (hier für 4 Jahre, silberne Medaille) wurde nur von 1936 bis 1939 verliehen und bis Frühjahr 1940 ausgegeben. Die Blumenfeldzugsmedaillen datieren vor 1939, so das sich vermute, das die große Ordensschnalle irgendwann nach Oktober 1938 bis kurz vor bzw. um den Kriegsausbruch im September 1939 gefertigt wurde (als die DA12 Jahre noch nicht verliehen war) - und dann natürlich mit allen vorhanden Kreuzen und Medaillen geschmückt wurde.

Zu Kriegsbeginn 1939 war der Oberleutnant Anfang vierzig und dürfte wohl nicht mehr der kämpfenden Truppe zugegliedert gewesen sein. Auch muß er im Kriege auch nicht unbedingt befördert worden sein. Es gab genug Offiziersstellen im rückwärtigen Bereich die durch ältere Leutnants bzw. Oberleutnants besetzt waren. Dort machte er sich nocheinmal verdient, so das er die Wiederholungsspange zum EK2 bekam. Warum, das bleibt wohl Spekulation. Ebenfalls trägt er jetzt die DA 12 Jahre (vor 1939 beantragt und bis Frühjahr 1940 verliehen).

Zumindest ist die eine Feldschnalle mit der EK-Auflage (
klick hier) und der DA12 Jahre ein Stück aus dem Kriege, die anderen würde ich wegen der typisch bayrischen Art die Bänder zu legen als Stücke aus der Zeit vor 1939 ansehen. Diese hat er wahrscheinlich im Kriege weitergetragen, bis er sich die Schnalle mit der Wiederholungsspange hat fertigen lassen. Das, und die Anzahl der Feldschnallen, ist vielleicht auch ein Indiz dafür, das er eventuell mehr den Waffenrock als die Feldbluse getragen hat bzw. in einem Lebensalter und einer Stellung war, wo man lieber die Feldschnalle trug als das Band mit Auflage im Knopfloch. Beides zusammen ging ja nicht.

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Einige Ergänzungen zur Goldenen-Hochzeit-ERINNERUNGSMÜNZE:

Goldene Hochzeits-Jubiläumsmedaille: Gestiftet von König Ludwig III, anläßlich der goldenen Hochzeitsfeier mit seiner Gemahlin Maria Theresia (geb. Erzherzogin von Österreich-Este) am 20. Februar 1918 und an alle Beamten und Bediensteten seines Hofes, dann die Leibgarde der Hartschiere sowie an eine Anzahl sonstiger Personen verliehen, welches sich um das Zustandekommen der Jubiläumsfestlichkeiten zu München verdient gemacht hatten.

König Ludwig hatte die Absicht, an diejenigen Truppenteile, deren Inhaber er war, als Weihnachtsgabe 1918 eine Geschenkmedaille verteilen zu lassen. Diese Medaille sollte gleichzeitig ein nachträgliches Erinnerungszeichen sein, an die Feier der goldenen Hochzeit des Königspaares am 20. Feb. 1918. Es wurden ungefähr 14.000 Stück aus schwarz gebeiztem Eisen hergestellt und zwar, weil nicht zum Tragen bestimmt, ohne Öse und Ring. Der Entwurf der VS stammt von Prof. Theodor Georgii, derjenige der Rückseite von Münzmedailleur Alois Boersch, beide in München. Die Novemberrevolution des gleichen Jahres verhinderte jedoch die Verteilung der Medaillen und diese ruhten dann in Kisten verwahrt mehrere Jahre unbeachtet auf dem Dachboden des Münzgebäudes zu München. Erst im Frühjahr 1922 wurden sie an Kronprinz Rupprecht ausgefolgt, weil die Herstellungskosten von seinem am 18.Oktober 1921 verstorbenen Vater aus privaten Mitteln bezahlt worden waren. Kronprinz Rupprecht verteilte zunächst eine größere Zahl dieser Gedenkmedaillen ohne Öse und Band an offizielle Teilnehmer an der feierlichen Beisetzung seiner verstorbenen Eltern, später auch an solche Persönlichkeiten in Bayern, welche sich besondere Verdienste um die Wiedererweckung und Pflege des vaterländischen Gedankens erworben hatten. Eine Anregung aus dem Kreise der Inhaber Folge leistend, gestattete er späterhin, daß die Goldene - Hochzeitserinnerungsmedaille auf Kosten der damit Beliehenen mit Öse und Ring versehen und am Bande der Jubiläumsmedaille für die Armee vom Jahre 1905 getragen werden durfte.

Anmerkung: Die Inhaber der vorstehend beschriebenen Medaille ließen sich dieselbe vielfach vergolden, wie auch an Stelle des vorschriftsmäßigen Bandes, dazu dasjenige der goldenen Hochzeits-Jubiläums-Medaille getragen wurde.

Zwar gehört gehört diese Münze durchaus nicht zu den besonders teuren Stücken, aber man kann hier sehr schön, bzw. auch an dieser Spange, ein wenig die Mentalität der damaligen Zeit erkennen

Richtig interessant wird es aber erst hier: "Eine Anregung aus dem Kreise der mit der Erinnerungmünze bedachten Personen usw. ..."

Das bedeutet, die Personen, die die Münze im ursprünglichen Zustand als ErinnernungMÜNZE, nämlich ohne Öse und Band, also ´nicht tragbar´ erhalten hatten, haben sich nach einer Erlaubnis erkundigt, diese Münze an der Ordenspange zu tragen. Das wiederum entspricht wohl dem damaligen Zeitgeist. Die Weimarer Republik kannte ja keine Orden, somit mußte man dem Verlangen nach tragbaren "Auszeichnungen" auf andere Weise gerecht werden. Viele Spangen mit Kriegervereinskreuzen, Erinnerungskreuzen usw. belegen das ganz gut. Und so wandelt sich die ErinnerungsMÜNZE in eine Medaille um, zumindest dem allgemeinen Verständnis nach. Ob so ein nachträglicher Umbau "auf eigene Kosten" (!) noch bei anderen Stücken möglich war, kann man nicht sagen. Obwohl diese Spange erst in den dreißiger Jahren genäht wurde, ist die Geschichte zur Münze doch recht interessant.