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Tassenformen der KPM für die Tassen mit dem Eisernen Kreuz 1914

von Walter Wagner

Mit dem Beginn des ersten Weltkrieges im Jahre 1914 brach in Deutschland eine so nie gekannte Welle der patriotischen Zustimmung und Darstellung im Volke aus. Die meisten Deutschen stellten in einer bis dato unbekannten Form ihre Zustimmung zu dem eingeschlagenen Weg zur Schau. Häuser wurden mit patriotischen Fahnen geschmückt, Schwarz-Weiß-Rot wurde zur Kleidung in Form von Armbinden, Ansteckern, Broschen oder ähnlichem getragen. Postkarten wurden in einer fast endlosen Zahl mit patriotischen Inhalten bedruckt.

Im Zuge dieses Krieges kam es, nach 1813 und 1870, zur erneuten Stiftung des Eisernen Kreuzes durch den Kaiser des Deutschen Reiches Wilhelm II in seiner Funktion als König von Preußen. Der Stiftungserlass durch Kaiser Wilhelm II lautete

„Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen usw.

Angesichts der ernsten Lage in die das teure Vaterland durch einen ihm aufgezwungenen Krieg versetzt ist, und in dankbarer Erinnerung an die Heldentaten unserer Vorfahren in den großen Jahren der Befreiungskriege (Anm. 1813 – 1815) und des Kampfes für die Einigung Deutschlands (Anm. 1870 – 1871), wollen wir das von unserem in Gott ruhenden Urgroßvater gestiftete Ordenszeichen des Eisernen Kreuzes abermals wieder aufleben lassen. Das Eiserne Kreuz soll ohne Unterschiede des Ranges und des Standes an Angehörige des Heeres, der Marine und des Landsturmes, an Mitglieder der freiwilligen Krankenpflege und an sonstige Personen, die eine Dienstverpflichtung mit dem Heere oder der Marine eingehen oder als Heeres- und Marinebeamte Verwendung finden, als eine Belohnung des auf dem Kriegsschauplatzerworbenen Verdienstes verliehen werden. Auch solche Personen, die daheim sich Verdienste um das Wohl der deutschen Streitmacht und der seiner Verbündeten erwerben, sollen das Kreuz erhalten.

Urkundlich unter unsere höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrucktenm Königlichen Insiegel.

Gegeben Berlin den 5.August 1914

Wilhelm I.R.“

Die abgebildete patriotische Postkarte aus dem Jahre 1914 zeigt diesen Stiftungserlass in einem Faksimile.

Das Eiserne Kreuz erwarb sich schnell den Charakter eines Sinnbildes für Tapferkeit und Deutsche Tugenden. Dieses Sinnbild durch das Eiserne Kreuz fand dann auch sehr schnell den Eingang in die patriotischen Gegenstände die sich einer immer größeren Verbreitung erfreuten. Sehr kurzfristig wurde diese Welle auch durch die Porzellan Manufakturen (wie z. B. Meissen, KPM, Rosenthal oder Altwasser um nur die bekanntesten zu benennen) aufgegriffen. Es entstanden eine Vielzahl von verschieden Formen, bei denen die Vitrinentassen zu den beliebtesten gehörten. Dies kam dem damaligen Modegeschmack sehr entgegen und die Tassen konnten in den in den Haushalten vorhandenen Vitrinenschränken und –aufsätzen sehr deutlich gezeigt und zur Geltung gebracht werden.

Zu den schönsten und Qualitativ hochwertigsten Tassen gehören hierbei die Tassen der KPM (Königliche Porzellan Manufaktur Berlin). Sie wurden gerade durch ihre Formen und Farbgebung bei den „vermögenden“ Haushalten sehr geschätzt.

In dem nachfolgenden Beitrag soll nun versucht werden, einige der von der KPM im ersten Weltkrieg verwendeten Tassenformen bei der Ausgestaltung der Tassen mit dem Eisernen Kreuz aufzuzeigen. Soweit mir bekannt, wurden hierbei Tassen mit den Grundfarben Blau, Grau, Weiß, Gold und Rot erstellt. Die verwendeten Tassenformen waren:

1. „Campaner-Form“.

Das Bild zeigt eine typische KPM-Tasse in der „Campaner-Form“. Diese Form leitet sich aus der sogenannten Kyathos-Form (im Griechischen eigentlich ein Schöpfgefäß, mit dem man den Wein aus dem Krug in die Trinkschalen oder Becher goß) ab. Die Form beschreibt eine konvexe Wandung mit einem Henkel ohne Fuß. Diese Tasse wird oftmals im heutigen Sprachgebrauch als Mokkatässchen bezeichnet-

2. „Kalathos (Wollkorb) – Form“

Das Bild zeigt eine typische Tasse der KPM in dieser Form. Der Kalathos oder auch Wollkorb (ebenfalls aus dem Griechischen) stellt eine Tasse mit einer konkaven Wandung ohne Fuß jedoch mit einem „Campaner“ Henkel dar.

Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine Tasse der Kalathos Form, jedoch mit gekehltem Fuß.

3. “Blücher Tasse“

Bei der Blücher Tasse handelt es sich um eine Form mit eiförmiger Wandung und gekehltem Halse. Die Tasse hat einen Rosettenhenkel und einen gekehlten Fuß.

4. „Glockenform mit Rosettenhenkel“

KPM6

Diese Tasse hat eine gerade Wandung mit einem konischen Fuß. Der Henkel endet in einer spiralenförmigen Rosette. Der Henkelrücken ist geperlt.

Hier noch eine Tasse in Glockenform, diesmal jedoch mit einem normalen Henkel.

5. „Walzenform mit Klauenfüßen“

Diese Form der Tasse hat eine Zylindrische, oben leicht ausladende Wandung. Diese Tasse gibt es mit „normalem Henkel“ sowie mit dem ausladenden Rosettenhenkel. (siehe zu dieser Tasse auch  KPM Tasse mit dem EK von 1914 )

6. „Perlfriestasse auf Klauenfüßen“