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KPM Tasse mit dem EK von 1914

von Walter Wagner

Bei dem vorgestellten Stück handelt es sich um eine Tasse der Königlichen Porzellanmanufaktur (KPM) mit dem Eisernen Kreuz und Schlachtennamen.

Die KPM, gegründet von Friedrich dem Großen im Jahre 1763 war über 150 Jahre der Hoflieferant für das königliche und kaiserliche Porzellan. So wurde von der KPM der überwiegende Teil der in den Schlössern verwendeten Geschirre geliefert. Das wohl bekannteste Geschirr ist das Neuozier-Geschirr, welches insbesondere von Kaiser Wilhelm II und der Kaiserin Auguste Victoria sehr geschätzt wurde.

Neben den Stücken für das Herrscherhaus stellte die KPM auch eine Vielzahl von patriotischen Geschirrteilen her. Hierbei griff die KPM auf vorhandene, so genannte Weißteile zurück und versah diese mit dem entsprechenden Dekor. Es wurden bereits hergestellte Geschirrteile aus dem Arsenal verwendet und je nach Anlass oder Vorgabe bemalt. Dabei konnte, wie auch in diesem Fall, Geschirr verwendet werden, welches bereits einige Jahre im Arsenal gelagert wurde.

Bei der vorgestellten Tasse handelt es sich um die klassische Bechertasse der KPM mit den drei Löwenfüßen. Von dieser Tassenform gibt es vielfältige Ausgaben mit sehr unterschiedlichen Bemalungen. So wurde z. B. die Erinnerungstasse anlässlich des 80.ten Geburtstages Paul von Hindenburgs im Jahre 1927 oder die Geschenktasse des Preußischen Ministerpräsidenten anlässlich des 100.ten Geburtstages bis ins Jahr 1945 die gleiche Form der Tasse und des Untertellers gewählt. Bei der Untertasse wurde der proportional passende Teller mit dem hohen Rand gewählt. Dies ergab ein symmetrisch passendes Gesamtbild aus Tasse und Unterteller.

Die Bemalung der Tasse ist im einzelnen wie folgt vorgenommen worden

+ Mittig auf der Frontseite der Tasse, direkt gegenüber dem Henkel, ist ein Eisernes Kreuz 1914 in schwarz, umgeben von goldenen Eichenblättern aufgebracht.

+ Auf der linken Seite ist ein hellblaues ovales Feld, umgeben von Eichenblättern mit Eicheln aufgemalt, in dem in goldener Schrift die Ortsnamen YSER, LUETTICH, ANTWERPEN, DIXMUIDEN, NAMUR aufgebracht sind

+ Auf der rechten Seite befindet sich ebenfalls ein hellblaues ovales Feld, diesmal jedoch umgeben von Lorbeerblättern. Auf diesem sind in goldener Schrift die Ortsnamen REIMS, ARGONNEN, ST. QUENTIN, SOISSONS und VERDUN aufgebracht.

+ Henkel und Löwenfüße sind mit goldener Farbe bemalt.

Auf dem Unterteller ist außen ein goldener, ca. 1 mm breiter Rand aufgebracht und davon etwa 5 mm entfernt, ein Eichenlaubkranz ohne Eicheln.

Eichenlaubblätter, Lorbeerblätter und Eichenlaubkranz sind in verschiedenen Nuancen von Grün gehalten. Die aufgebrachten Eicheln sind Braun.

Die Maße betragen bei der Tasse

Höhe 100 mm
Durchmesser 90 mm

und beim Unterteller

Höhe 30 mm
Durchmesser 185 mm

Der Maler dieser Tasse war Karl Bonnenfank, erkennbar an seiner Malermarke „B“. Die weiteren Marken lassen auf das Erstellungsjahr von Tasse und Untertasse auf 1915 schließen. Die Bemalung ist jedoch deutlich später was allein aus den aufgebrachten Namen zu erkennen ist. Als weiteres sind noch die Marken der KPM sowie das Eiserne Kreuz für die Kriegszeit 1914 – 1918 aufgebracht.

Die Tasse weicht deutlich von den sonst bekannten Tassen ab. Die weithin bekannten Tassen sind in der Regel nur mit dem Eisernen Kreuz und einem entsprechenden Kranz aus Eichen- oder Lorbeerblättern bemalt. Diese Tasse ist wesentlich aufwendiger bemalt.

Ein genauer Grund für die Herstellung der Tasse lässt sich heute nicht mehr ermitteln. Auf Grund der aufwendigen Verarbeitung lässt sich jedoch vermuten, dass es sich hierbei um ein Abschiedsgeschenk für einen hohen Offizier handelt, der im Rahmen des I. Weltkrieges an vielen Orten eingesetzt war.