Listinus Toplisten

Eisernes Kreuz 1813 - 1.Klasse

In einer auf den Geburtstag der Königin Luise rückdatierten Kabinettsorder vom 10. März 1813 stiftete der preußische König Friedrich Wilhelm III. das Eiserne Kreuz. In seiner äußeren Form knüpfte er an das Deutsch-Ordens-Kreuz an: schwarz auf weißem Mantel oder Schild, das bereits seit dem 14. Jahrhundert die charakteristische Verbreiterung der Balkenenden, die sogenannte geschweifte Form, aufwies. Der König übernahm bei seiner Stiftung einen künstlerischen Entwurf des Bildhauers und Architekten Karl Friedrich Schinkel und ordnete folgende Einzelheiten an: Ohne Hinweis auf einen Vorläufer, also ohne Anknüpfung an eine ständisch belastete Ordenstradition sollte der auf Preußen und den Befreiungskrieg beschränkte Orden an jedermann verliehen werden können, dass der Soldat mit dem General ganz gleich ist. Das Kreuz war aus Eisen, es stellte im Gegensatz zu allen anderen Auszeichnungen keinen materiellen Wert dar. Es wurde für Verdienste im Kampf am schwarzen, für sonstige am weißen Band, zunächst auf beiden Seiten unverziert, später auf der Rückseite mit einem Eichenlaub, der Krone, dem Namenszeichen und der Jahreszahl 1813 versehen, in drei Stufen verliehen: als Großkreuz , nur für eine entscheidende Schlacht, Wegnahme einer feindlichen, oder erfolgreiche Verteidigung einer eigenen Festung, sowie als Kreuz Erster und Zweiter Klasse, wobei die Klassen von unten nacheinander zu erwerben waren.

Dieses unter starker persönlicher Beteiligung des Königs entstandene Ehrenzeichen spiegelte in großartiger Weise den Geist der Befreiungskriege: Offizier und Mann gleichermaßen konnten mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet werden, es verlangte eine hohe Leistung und wurde direkt vom König verliehen, es verzichtete auf jeden materiellen Wert und stellte in edler, schlichter Form aus einfachem Metall ein Symbol ritterlicher Pflichterfüllung dar. Das Großkreuz wurde im Befreiungskrieg fünfmal, die 1. Klasse knapp 700mal und die 2. Klasse etwa 16.000mal für militärische Verdienste, das Eiserne Kreuz am weißen Band zweimal 1. und etwa 380mal 2. Klasse verliehen. Generalfeldmarschall Fürst Blücher erhielt hierzu noch am 7. Juli 1815 für die Schlacht bei Belle-Alliance (Waterloo) eine Sonderstufe des Großkreuzes: ein Eisernes Kreuz mit acht goldenen Strahlen. Diese Auszeichnung war statutenmäßig zwar nicht vorgesehen, da aber Blücher schon am 26. August 1813 das Großkreuz des Eisernen Kreuzes erhalten hatte, war diese einmalige Auszeichnung geschaffen worden. Insgesamt ist etwa jeder zwanzigste Kriegsteilnehmer ausgezeichnet worden. Bezeichnend für den Geist der Sparsamkeit war die Tatsache, dass nur etwa 9.000 Kreuze unmittelbar ausgegeben werden konnten. Der Rest der Anwärter hatte zu warten, bis Träger der Auszeichnung gestorben waren und die zurückgegebenen Kreuze erneut ausgegeben werden konnten: Erst im Jahre 1839 haben die letzten dieser "vererbten“ Kreuze ihre Träger erreicht.

Das zurückhaltend verliehene Ehrenzeichen hatte sich nach den Freiheitskriegen bereits höchste Anerkennung erworben. Vertieft wurde diese noch durch die später übliche Koppelung einer Neustiftung an eine erklärte Gefahr für das Vaterland; die Kriege von 1864 und 1866 brachten den preußischen Staat nicht in schwere Bedrängnis, daher verzichtete der König auf eine Erneuerung der Auszeichnung, wohingegen das Wiederaufleben des Eisernen Kreuzes 1870 den nationalen Existenzkampf signalisierte. Dies deckte sich mit der patriotischen Lyrik der Zeit, für die Begriffe wie Tatkraft, Königstreue, Vaterlandsliebe, Wiederkehr von Kaiser und Reich, festes Bauen auf Gottes Hilfe und das Anknüpfen an die Dichtung der Freiheitskriege repräsentativ wurden: Patriotisches mischte sich mit Überlieferungen der Glaubenskriege, der "altböse Feind" Luthers wurde zum Erbfeind hinter den westlichen Reichsgrenzen.