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Kaiserlicher Marinedolch von Fregattenkapitän Otto Seidensticker

von Markus Ulbert

Bei dem vorgestellten Exponat handelt es sich um einen Kaiserlichen Marinedolch . Zeitlich kann man den Dolch nicht ganz genau einordnen. Er wird ca. von 1900 sein, die Fertigungsqualität ist sehr hochwertig.

Es handelt sich um einen sehr schönen Offiziersdolch mit echtem Kernelfenbeingriffstück und originaler Griffwicklung. Getragen wurde dieser Dolch von Fregattenkapitän Otto Seidensticker, ein sehr hoch ausgezeichneter Fregattenkapitän , der in der einschlägigen Literatur auch bekannt ist.

Kaiserliche Marinedolche in einem so guten Erhaltungszustand kommen nur noch sehr selten vor. Auch das man den Nahmen des Trägers erfährt, so wie das eine oder andere aus seinem persönlichen Besitz bekommen kann, ist nicht alltäglich. Nicht selten, dass die Teile wie Orden und Portepee etc. im Laufe der Zeit einfach verloren gegangen sind.

Die Parierstange weist einen unklaren Anker auf, der mit seiner Spitze von der Seite des Betrachters aus nach links unten zeigt. Normalerweise zeigt die Ankerspitze nach rechts oben aus dem Blickwinkel des Betrachters. Bei der Klinge handelt es sich um eine so genannte Dachbalkenklinge, hier eine Ausführung ohne Fehlschärfe, aber mit einer wunderschönen Ätzung versehen.

Sehr gut sind hier die Segelschiefe, der Anker mit der Kaiserkrone zu erkennen. Ätzungen kommen auch nicht so häufig vor. Die Ätzungen der Kaiserlichen Marine waren, was die Tiefe der Ätzung angeht, sehr unterschiedlich. Es kamen auch häufig Stücke vor, deren Klingenätzungen nur sehr flach und schwach angebracht waren.

Das Interessante an diesem Dolch ist, dass es sich um eine Variante ohne Drücker also ohne äußerliches Verschluss-System handelt. Dies wird eben auch durch die Parierstange deutlich, die keine Bohrung für eine Drückeraufnahme aufweist.

Eine gleichmäßig gewachsene Patina dokumentiert sehr schön die Zusammengehörigkeit der einzelnen Teile. So ist dies auch bei dem Portepee zu beobachten, welches schön gleichmäßig patiniert ist. Es wurde lediglich ein wenig nachgezogen, daher die helleren Stellen.

Der verwendete Kronentypus ist ebenfalls recht selten anzutreffen da dieser Felder aufweist, die ganz leicht nach außen gewölbt sind. Die Gewinde der Kronen weisen unterschiedliche Größen auf, so das man hier nicht beliebig austauschen kann.

Es kam häufig vor, dass kaiserliche Marinedolche nachträglich in ihrer Länge gekürzt wurden. Dies entsprach dem damaligen Zeitgeist und war eine reine Modeerscheinung. So lassen sich Dolche unterschiedlicher Längen immer wieder antreffen. Ein Standartmaß gibt es bei diesen Stücken nicht.

Es kommen Stücke mit Hersteller und ohne Hersteller vor. Auch weisen einige Stücke einen Hersteller und zusätzlich noch einen Auslieferer auf, es kommen auch Stücke nur mit Auslieferer vor. Ein typischer Auslieferer/Händler der damaligen Zeit ist z.B. August Lüneburg Kiel.

Der gesamte Dolch befindet sich in einem klasse Zustand, wie man es überhaupt aus dieser Zeit nur seltenst sieht.

Man sollte diese Art von Dolche nicht unbedingt mit blossen Händen anfassen. Der vorhandene Schweiß, den man ganz zwangsläufig in seinen Handflächen hat ist nicht gerade zuträglich für die Oberfläche von derartigen Dolchen aus solch einem hochwertigem Material. Es bleiben Fingerabdrücke haften, die man nur schwerlich wieder entfernen kann. Auch würde ich einen solchen Dolch nicht putzen. Die vorhandene Patina ist einfach wunderschön und dokumentiert unter anderen auch die Originalität.

Daten des Dolches:

Größe insgesamt: 38cm
Größe der Klinge:  22cm
Material des Dolches: feuervergoldetes Messing
Gewicht : ca. 300 g
Der Griff ist aus Kernelfenbein.
Die Klinge hat beidseitig eine sehr schöne Ätzung.

Daten des Trägers Fregattenkapitän Otto Seidensticker

- EK 1 1914
- Bremer Hanseatenkreuz
- Königlicher Hausorden von Hohenzollern 3. Klasse mit Schwertern
- Hausorden der Wachsamkeit (Weißer Falke)
- Zähringer Löwe Ritterkreuz
- Roten Adler Orden 4. Klasse
- Kronen Orden 4. Klasse

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