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Bandenkampf-Nachlass


Vorgestellt wird ein kompletter, in sich geschlossener und vor allem authentischer Bandenkampfnachlass, inzwischen heute sehr selten und kommen am Sammlermarkt kaum einmal vor.

Der Nachlass umfasst:

Soldbuch (Zweitschrift)
Besitzzeugnis Verwundeten-Abzeichen in Schwarz
Besitzzeugnis Verwundeten-Abzeichen in Silber
Besitzzeugnis Eisernes Kreuz 2. Klasse
Besitzzeugnis Infanterie-Sturmabzeichen in Silber
Besitzzeugnis Nahkampfspange in Bronze
Besitzzeugnis Bandenkampfabzeichen in Bronze
Diverse Bescheinigungen und Auflistungen der Sturm- und Nahkampftage


Inhaber war Oberleutnant der Reserve Karl M. , Brillenträger und von Beruf RAD-Führer, geboren am 14.08.1915 in Aken bei Bremervörde.

Mit dem Grenadier-Regiment 391 und Grenadier-Regiment 399 bzw. Feldersatz-Bataillon 240 kämpfte M. von mindestens Sommer 1942 bis zum bitteren Ende im Ostpreußen-Kessel / Insel Hela im Frühjahr 1945.
Unterstellt waren diese Regimenter der 170. Infanterie-Division, welche ab August 1942 in Nordrußland, vor Leningrad und im Hinterland am Peipussee und später in Wilna und Suwalki, eingesetzt war.

Nachfolgend vorgestellt werden die Urkunden und Dokumente.

* Besitzzeugnis zum Verwundeten-Abzeichen in Schwarz für erstmalige Verwundung am 28.08.1942 (vor Leningrad erlitten). M. , damals im Range eines Leutnants, kämpfte in der 3. Kompanie Infanterie-Regiment 391. Nach seiner Verwundung kam er ins Reserve-Lazarett Trebnitz in Schlesien, wo ihm diese Urkunde überreicht wurde. Unterschrieben ist das Dokument vom Stabsarzt und Chefarzt, Dr. Winkler.

* Besitzzeugnis Eisernes Kreuz 2. Klasse für besondere Tapferkeit vor dem Feinde.
Leutnant M. , von seiner Verwundung wieder genesen und zurück bei seinem alten Regiment, nun jedoch in der 2. Kompanie, bewährte sich in den harten Abwehr- und Stellungskämpfen vor Leningrad im Winter 1942/1943.
Signiert wurde die Urkunde vom Divisionskommandeur, dem Ritterkreuzträger Generalleutnant Erwin Sander (05.03.1892-05.12.1962).

* Nur wenige Wochen später erfüllte Leutnant M. die Verleihungskriterien für das Infanterie-Sturmabzeichen in Silber erfüllt, nämlich 3 Nah- und Sturmkampftage mitgekämpft zu haben.
Hierfür erhielt er am 06.04.1943 das Infanterie-Sturmabzeichen in Silber. Die Urkunde trägt die Signatur von Oberst (zuletzt Generalmajor) Richard Daniel, Regiments-Kommandeur Grenadier-Regiment 391. Daniel ist Träger des 857. Eichenlaubs zum Ritterkreuz und dem deutschen Kreuz in Gold.

Mittlerweile sind 18 Monate vergangen und M. ist das, was im Landsermund als "alter, erfahrener Ostfronthase" bezeichnet wird.
Am 17.04.1944 erhielt er durch seine 170. Infanterie-Division das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen, leider ist diese Urkunde in den Kriegswirren verloren gegangen.
Noch immer kämpft Leutnant M. in den Reihen des Grenadier-Regiments 391, jedoch nicht mehr bei seiner alten 2. Kompanie, sondern in der 1. Kompanie.
Er hat den schweren und äußerst verlustreichen Rückzug von Leningrad mitgemacht sowie die Sommeroffensive der Russen im Juni 1944 überstanden. Die Härte dieser Kämpfe spiegelt sich gut wieder in den 16 bestätigten Nahkampftagen, welche M. von Dezember 1943 bis April 1944 durchmachen musste.
In dieser Zeit war das Grenadier-Regiment in unmenschliche Nahkämpfe, vor allem mit Banden und Partisanen, verwickelt, welche im Hinterland der 170. Infanterie-Division ihr Unheil trieben.
Bei einem solchen Kampfgeschehen im Raume Suwalki am 29.09.1944 erlitt M. seine dritte Verwundung.

* Hierfür erhielt er drei Tage später, am 02.10.1944, das Verwundeten-Abzeichen in Silber.
Unterschrieben wurde das Besitzzeugnis vom Bataillons-Kommandeur I. Bataillon Grenadier-Regiment 391, Hauptmann (zuletzt Major) Pfeiffer . Da die Verwundung anscheinend nicht allzu schwer war, konnte M. bei seinem Regiment verbleiben.

Nur kurze Zeit später wurde M. zum Oberleutnant der Reserve befördert und ab dem 04.11.1944 als Kompanie-Chef und Adjutant im Feldersatz-Bataillon 240 der 170. Infanterie-Division eingesetzt.

Zu diesem Zeitpunkt herrschte an der Front scheinbar eine kurze Verschnaufpause, so dass die Schreibstube des Grenadier-Regiment 391 Gelegenheit hatte, die alten, bisher unerledigten Nahkampflisten aufzuarbeiten.
Für 15 bzw. mittlerweile schon 16 tapfere Nahkampftage erhielt Oberleutnant M. die nun längst überfällige Nahkampfspange in Bronze.

* Besitzzeugnis Nahkampfspange in Bronze, ausgestellt am 04.12.1942. Hier sehen wir einen recht seltenen Vordruck in DIN-A4-Format. Ausgestellt wurde das Dokument vom I. Bataillon Grenadier-Regiment 391 und unterzeichnet vom Regiments-Kommandeur, Oberstleutnant Clausen.

* Bescheinigungen über die Nahkampftage. Beglaubigt wurden die ersten sieben Nahkampftage vom damaligen Regiments-Kommandeur, Ritterkreuzträger Oberst Johannes Arndt (*07.10.1906). Wenige Wochen später fiel Oberst Arndt während der russichen Sommeroffensive am 06.07.1944 in Molidesno.
Die restlichen Beglaubigungen nahm der Bataillons-Führer, Hauptmann Kalinas, vor.

* Bescheinigung über einen Sturm- und Nahkampftag am 22.10.1944. Ausgestellt wurde die Bescheinigung vom Regiments-Kommandeur Helmut Haeuseler (*29.01.1916).
Dieser hochausgezeichnete Oberstleutnant, Träger des Ritterkreuzes, deutschen Kreuz in Gold und der Ehrenblattspange des Heeres, fiel am 25.02.1945 bei Hoppenkind, Ostpreußen, wenige Wochen vor Kriegsende.

Aufgrund der oben erwähnten Bandenkämpfe erfüllte Oberleutnant M. nun auch die Kriterien, die zur Verleihung des Bandenkampfabzeichens in Bronze führten. Verleihungskriterium war, dass mind. 30 Bandenkampftage überstanden werden mussten.

Die Tatsache, dass ein Wehrmachtssoldat sowohl die Nahkampfspange als auch das Bandenkampfabzeichen verliehen bekam, ist sehr selten (er musste somit 45 Nah- und Bandenkampftage überstanden haben).
Denn oft wurden die Bandenkampftage als Nahkampftage gerechnet, so dass es zur Verleihung der Nahkampfspange, anstatt des Bandenkampfabzeichens, kam.
Da das Bandenkampfabzeichen erst im Januar 1944 gestiftet wurde offizielle Vordruck meist nicht bis an die Front in die Schreibstuben kamen, erhielt Oberleutnant M. , nunmehr beim Feldersatz-Bataillon 240, das Bandenkampfabzeichen 1. Stufe auf einer provisorischen Urkunde, geschrieben mit Schreibmaschine.

* Besitzzeugnis Bandenkampfabzeichen I. Stufe, verliehen am 07.12.1944, nur 3 Tage nach der Nahkampfspange.
Unterschrieben ist die Urkunde vom Divisions-Kommandeur der 170. Infanterie-Division, Ritterkreuzträger Generalleutnant Siegfried Haß (07.06.1898 - 14.12.1987).

Nach weiteren schweren Kämpfen in Ostpreußen erhielt Oberleutnant M. am 08.01.1945 20 Tage Erholungsurlaub bzw. Sonderurlaub nach Bremervörde. Zu dieser Zeit kämpfte M. bei der Panzerjäger-Abteilung 240.
Unterzeichnet wurde der Urlaubsantrag in seinem Soldbuch vom Abteilungs-Kommandeur, Hans Weinand (*05.06.1916). Auch er überlebte den Krieg nicht, er fiel nur wenige Tage später, am 28.01.1945, in Preußisch Holland.

Nach dem Sonderurlaub kehrte M. wieder an die Front zurück, wo er im März 1945 erneut, zum 4. male, verwundet wurde. Er kam daraufhin in diverse Reserve-Lazarette, unter anderem nach Aschersleben.
Hier verliert sich die Spur von Oberleutnant der Reserve M. Es ist auszugehen, dass er den Krieg überlebt hat und zu seiner Ehefrau nach Bremervörder zurückkehren konnte
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